17.07.2013 Besuch aus Berlin für die künftige Glemstalschule (Gemeinschaftsschule)

Normalerweise kommt MdB Ingrid Hönlinger (Bü90/Grüne) nur in Berlin mit Schulklassen in Berührung. Im Zuge der Bildungsreform in Ba-Wü möchte sich die Abgeordnete des Landkreises LB vom Stand der Vorbereitungen auf den Start nach den Sommerferien informieren. Die Glemstalschule Schwieberdingen-Hemmingen ist eine von vier Realschulen in Ba-Wü, die zur Gemeinschaftsschule (GMS) werden. Begrüßt wird sie vom scheidenden Rektor Wettern, der Konrektorin Vöhringer, sowie Fr. Markert vom Staatlichen Schulamt (SSA).

Der Rektor berichtet: Die Heterogenität hat zugenommen und damit auch die Belastung der Lehrer. Zusätzlich verstärkt wurde dieser Effekt durch den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung. Die Kollegen haben sich immer wieder mit den Werkrealschulen ausgetauscht und aktuell wechseln im September zwei zur Gemeinschaftsschule. Im Schuljahr 2012/13 erfolgt ein Probelauf in den Klassen 5 mit Deutsch, Englisch und Mathematik in einem „Lernband“ 3. und 4. Stunde Di-Do mit einem hohen Anteil an individualisiertem Lernen an speziellen Arbeitsplätzen mit einer Methodik, die ruhiges, konzentriertes Arbeiten ermöglicht. Dazu werden z.B. Aufgaben in drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen bearbeitet. Die Lehrer leisten über mehrere Jahre zusätzliche Arbeit, da ja Besprechungen und Konferenzen zunehmen, kompensiert wird dies durch mehr Arbeitszufriedenheit im Kollegium, das engagiert hinter dem Rektor und der Konrektorin steht.

Durch die neue Landesschulpolitik der Regierung wurden die Anstrengungen der ehemaligen Realschule Schwieberdingen-Hemmingen noch verstärkt. Vorhandene Freiräume sollen zur individuellen Gestaltung genutzt werden. Betont wird, dass jede Schule ihren eigenen Weg finden muss. Die Unterstützung des SSA war und ist sehr gut und die innewohnenden Entwicklungsmöglichkeiten werden deutlich gesehen. Ganz wichtig ist ein Kollegium, das diesen Weg mitgeht. Das Interesse von Gymnasiallehrern an der geplanten Oberstufe ist deutlich spürbar.

Nach einem Schulentwicklungsgutachten wollte die Schule nicht zu einer „Restschule“ werden. Wichtig war auch, die Elternschaft der Grundschule zu überzeugen und der Zuspruch ist mit 4 Parallelklassen in der Klassenstufe 5 recht gut.

Herr Wettern betont, dass es wichtig ist, von der Pädagogik her zu denken und weniger von der Politik. Die Abgeordnete pflichtet bei: es sei wichtig, von der Praxis her „an der Sache entlang“ zu denken.

Die Fragerunde ergab folgende Aspekte: In den Gemeinderäten von Schwieberdingen und Hemmingen gab es überzeugende Mehrheiten. Die Öffentlichkeit wurde in einer großen Veranstaltung in Hemmingen informiert. Gezielt wurden Eltern der Grundschüler angesprochen. Der endgültige Beschluss erfolgte in der Gemeindeverbandsversammlung. Die Begabung soll über die Schullaufbahn entscheiden und nicht die Herkunft.

In Schwieberdingen gelang eine „geräuschlose“ Umsetzung. Zusätzliche Räume können von der Hermann-Butzer-Schule genutzt werden, die Mensa muss wohl erweitert werden. Bisher haben 160-180 Esser in 3 Schichten Platz. 2 Essen stehen zur Wahl. Die Schulleiter sprechen bei ihren Treffen über die Entwicklungen. Ängste der Kollegen – ob begründet oder nicht – müssen abgebaut werden. Die GEW mahnt immer wieder mehr finanzielle und personelle Unterstützung an, was aber durch das Sparprogramm der Landesregierung einiges abverlangt.

Die Auswahl eines neuen Schulleiters nach Herrn Wettern – er geht mit dem Beginn der Sommerferien in den Ruhestand – soll eine kontinuierliche Weiterarbeit gewährleisten. Viele Probleme entstehen erst im Prozess und müssen sukzessive abgearbeitet werden. Insgesamt ist eine Gemeinschaftsschule ein Standortvorteil für die Gemeinde. Die vorhandenen Haupt- und Werkrealschulen müssen „auf Sicht“ aufgeben. Die Kollegen sollen peu à peu an der GMS unterkommen. Dabei muß der natürliche Altersabbau genutzt werden.

Klassenbesuch: Beim Besuch der 5. Klasse waren wir beeindruckt von der Lernkultur, der Einrichtung von „Regalarbeitsplätzen und der Flüsterkultur“. Die Schüler können je nach Bedarf aus Deutsch, Englisch und Mathematik das für sie wichtigste Fach wählen. Über ein Lerntagebuch wird kontrolliert, dass sie sich nicht nur ihrem Lieblingsfach widmen. Jede Klasse hat 2 Tutoren für die Betreuung. Stärken sollen die Schüler motivieren: die Stärkeren helfen den Schwächeren und profitieren davon. Die Schule muss nicht gewechselt werden und es gibt keinen deprimierenden Abstieg vom Gymnasium. Die Kinder schätzen das „Lernband“.

Die Unterrichtsvorbereitung macht viel Mühe für die Lehrer, belohnt wird man durch die positive Rückmeldung.

Ingrid Hönlinger erlebte die Kinder als sehr aktiv mit viel Eigeninitiative. Die GMS ist gut für die Entwicklung der Persönlichkeit.

Fritz Plachetta, OV Schwieberdingen-Hemmingen