Begehung des Industriegebietes

"Ist das vernünftig?" Unter diesem Motto stand die Veranstaltung der Grünen am 20.5. mit Begehung des bestehenden Industriegebiets Schwieberdingen und der Flächen, die für eine Erweiterung des Gewerbegebiets versiegelt werden sollen. Der Standort ist als "interkommunales" Gewerbegebiet geplant. Schwieberdingen soll die Fläche stellen. Einnahmen und Ausgaben werden mit den Partnergemeinden Hemmingen und Markgröningen geteilt. Hintergrund war, dass der Verband Region Stuttgart Flächen für ein Gewerbe- und Logistikgebiet sucht. Die Gemeinde Pleidelsheim sprach sich gegen ein ursprünglich dort geplantes Gewerbegroßgebiet aus. Daraufhin startete der Verband einen neuen Suchlauf. Weitere Gemeinden lehnten ab. Nun kommen aus Sicht des Verbands Region Stuttgart 5 Standorte in Frage, darunter Schwieberdingen.

Ist das für Schwieberdingen vernünftig?

Im bestehenden Industriegebiet springt der Platzbedarf der Speditionen mit hohem Anteil versiegelter Flächen ins Auge. Das neue Industriegebiet ist zu einem hohen Anteil für Logistik geplant. Ob dem hohen Flächenverbrauch entsprechende Einnahmen an Gewerbesteuer für die Gemeinde entgegenstehen, wird bezweifelt. Speditionen haben oft ihren Sitz nicht in der Gemeinde. Auf jeden Fall würde aber der Verkehr rund um Schwieberdingen durch die Erweiterung des Industriegebiets zunehmen. Der Verband Region Stuttgart rechnet mit einem zusätzlichen Verkehrsaufkommen von 2200 LKW und 5500 PKW pro Tag! Mit entsprechend steigender Abgas-, Feinstaub- und Lärmbelastung.

Die geplante Erweiterungsfläche rund um den Wasserbehälter Laib wird derzeit landwirtschaftlich genutzt. Bei der Begehung sahen wir Turmfalken und Rebhuhn. Dieses Feldbiotop und vor allem landwirtschaftlich wertvoller Ackerboden ginge durch die Überbauung und Versiegelung der Ackerfläche verloren.

Entlang der ICE-Strecke waren abends bei der Begehung viele Freizeitradler unterwegs. Welchen Freizeitwert hätte ein Industriegebiet? Das nach Osten an das Industriegebiet Schwieberdingen angrenzende Landschaftsschutzgebiet mit seinen Naturdenkmalen und Streuobstwiesen besichtigten wir ebenfalls.

Wir hörten den Teichrohrsänger im Feuchtgebiet Markt. Und sahen den Vogel des Jahres 2014, den Grünspecht. Zwei Männer fingen einen Bienenschwarm ein.

Ein kleines Naturparadies. Dass das Feuchtgebiet mit der Marktquelle die großflächige Flächenversiegelung überstehen würde, ist schwer vorstellbar.

 

Insgesamt haben wir viel Schönes und viel Unschönes gesehen. Den Nachteilen der Erweiterung des Industriegebiets (mehr Verkehrsaufkommen, Flächenversiegelung, Verlust an Natur und Freizeitwert) stehen wenig Vorteile für die Menschen in Schwieberdingen entgegen. (Gewerbesteuer - unsicher, Arbeitsplätze - heute bereits ausreichend, S-Bahn-Anschluss - unwahrscheinlich).

Bei Abwägung der Vor- und Nachteile scheint uns nur eine Entscheidung vernünftig: Für ein lebenswertes Schwieberdingen mit einem guten Konzept für Wohn-, Arbeits-, Natur- und Freizeitflächen statt dieser Erweiterung des Industriegebiets. Besorgte Nachfragen von Schwieberdinger Bürgern bestärken uns in dieser Sicht.

Thomas Gölzer