Unsere Veranstaltung „Was bringen neue Industriegebiete“

Vor zahlreich erschienenen interessierten Bürgern hielt Stefan Flaig, der  Kreisvorsitzende  des Ludwigsburger Landkreises des Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) seinen interessanten Vortrag mit dem Titel "Was bringen neue Industriegebiete".

Angesichts der bisher veröffentlichten Zahlen des Verbandes Region Stuttgart, nachzulesen auf dessen Homepage unter www.region-stuttgart.org/gewerbe/, sind die Folgen

  • Starke Zunahme des PKW und LKW-Verkehrs: 181% auf der L1141 zwischen der B10 und der Weinkreuzung, 32% auf der B10 zwischen A81 und Schwieberdingen
  • Vernichtung hochwertiger Ackerböden
  • Unklare Entwässerung der versiegelten Flächen (Hochwasserschutz)

im höchsten Maße alarmierend. Es kann hier nicht damit getan sein, aufgrund momentan gefallener Gewerbesteuereinnahmen und dem Vertrauen auf einen B10-Ausbau, der im Bundesverkehrswegeplan unter ferner liefen rangiert, ein solches Vorhaben durchzuwinken, ohne die Folgen genauer untersucht zu haben.

Zum Vortrag:

Der Referent Stefan Flaig vor aufmerksamen Zuhörern

Gemeinden versprechen sich von der Ausweisung neuer Industriegebiete die Schaffung neuer Arbeitsplätze im Ort, Entwicklung lokaler Betriebe und damit mehr Einnahmen durch Gewerbesteuer und anteiliger Lohnsteuer.

Argumente der Gemeinden sind: die sinkende Zahl der Auspendler, Verlust von örtlichen Betrieben, wenn sie keine Entwicklungsperspektiven haben, bereits erfolgte Abwanderung habe  sinkende Gewerbesteuereinnahmen zur Folge.

Untersuchungen über Gewerbesteueraufkommen in verschiedenen Gemeinden zeigen eher eine über die Zeitachse konstante bis leicht ansteigende Entwicklung.

In Wirklichkeit  sind Betriebsansiedlungen heute fast immer Verlagerungen, oft mit reduzierter Belegschaft. Nur wenige Unternehmen ca 7,1%  ziehen aus anderen Bundesländern in die Region Stuttgart, nur 4,4% aus Baden-Württemberg , nahezu die Hälfte aller Verlagerungsziele sind innerhalb derselben Gemeinde, ein weiteres Viertel innerhalb anderer Gemeinden im selben Kreis bzw. in einen anderen Kreis der Region. Der Rest verteilt sich auf andere Bundesländer bzw. andere Regionen innerhalb Baden Württembergs.

Konsequenz: mehr Einpendler, die ihren ursprünglichen Wohnort beibehalten, und damit mehr Kfz-Verkehr,  den die Steuerzahler selbst finanzieren und damit das Gewerbe subventionieren, Verlust von Naherholungsgebieten.

Lösungen: Reserveflächen sind in den vorhandenen Gewerbegebieten genügend vorhanden, eine gemeinsame Planung benachbarter Städte und Gemeinden statt Konkurrenz (unterschiedlicher Hebesatz) könnte so manchen Industriebetrieb den idealen Standort bieten. Größere Betriebe sollten nur mit einem ÖPNV-Anschluß zugelassen werden, Güterverkehrszentren wie z.B. Kornwestheim (Schiene/Straße) sollten ausgebaut werden.

Fazit: Würden die benachbarten Gemeinden zur Vermarktung ihrer vorhandenen freien Industriegebietsflächen zusammenarbeiten, wäre eine regionale Suche nach großen zusammenhängenden Flächen gar nicht erst notwendig.

Kommentar des OV:

Im übrigen würden wir uns gar keine Gedanken um das Interkommunale Gewerbegebiet machen müssen, so der Regionalplan von 2009 noch Bestand hätte. Die neue Planung wird nur notwendig, weil Pleidelsheim nachträglich zurückgezogen hat und damit die Neuausweisung der mindestens 73 ha laut Bedarfsermittlung der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH nach deren Einschätzung erforderlich wird. Aus der alten Planung ist eindeutig erkennbar, welchen Zweck das ganze Unternehmen haben soll, nämlich die Ansiedlung von weiteren Speditionsunternehmen.

Natur statt Asphalt

Kriterien wie Lage an der A81, ortsdurchfahrfreie Anbindung, Mindestgröße 5 ha legen diesen Schluss mehr als nahe. Es stellt sich daher auch die Frage, ob sich das Ganze für Schwieberdingen wirklich rechnen würde, denn Lager und LKW-Abstellflächen beanspruchen viel versiegelten Raum bei geringer Mitarbeiterzahl. Grundstückskäufe, Erschließungskosten und vieles  mehr sind vorzufinanzieren. Am “Perfekten Standort“, dem neuen Gewerbegebiet von Vaihingen/Enz konnte man die Entwicklung sehr genau verfolgen. Nach der Erschließung stand das Gebiet mehrere Jahre leer, bis sich zögerlich die ersten Firmen ansiedelten. Dies steht auch in Schwieberdingen zu befürchten!

Joachim Spreu