Besichtigung der Holzheizzentrale Hemmingen

Die Energiewende ist ins Stocken geraten. Sie leidet unter dem Versuch der großen Energiekonzerne, sich neu zu positionieren und der Widerspenstigkeit mancher Länder, die ihren Beitrag für länderübergreifende Stromtrassen partout nicht leisten wollen (Bayern)!  Auch die Windkraft in Baden-Württemberg ist bei weitem nicht so weit fortgeschritten, wie geplant, hier stockt die Euphorie bei Verbänden und Bürgern, die sagen: Alternativenergie prima, aber nicht in unserer Landschaft! Versuche, dezentrale Lösungen zu finden, werden durch Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ausgebremst. Da der Wind nicht überall gleich bläst und die Sonne nicht überall gleich scheint, muss ein Energiemix an Alternativenergie alle möglichen Ressourcen betrachten. Ein hervorragendes Beispiel für Energiemix bildet das „Bioenergiedorf“ Hemmingen, das war Anlass für unseren Ortsverband, das dortige Konzept einmal kennenzulernen und wir hatten auch zahlreiche interessierte Bürger zu Gast. Das Verfahren des Blockheizkraftwerks (Kopplung von Strom und Wärme zur Verbesserung des Wirkungsgrades) ist nicht neu, an der B10 von Stuttgart nach Esslingen sieht man die von der damaligen TWS und den Neckarwerken errichteten Fernwärmeleitungen. Neu ist, dass Strom und Wärme nicht aus fossilen Dreckschleudern, sondern aus regenerativen Energien erzeugt wird.

Teilnehmer treffen sich am Holzheizkraftwerk

Uli Ramsaier, Geschäftsführer der Naturenergie Glemstal, begrüßte uns herzlich. Ausgangspunkt der Erfolgsgeschichte war die Biogasanlage auf dem Haldenhof, die seit 2007 Strom ins öffentliche Netz einspeist und Glemsschule, Rathaus, Bürgerhaus, Kita, das leider stillgelegte Hallenbad sowie die Sporthalle Schwieberdingen mit Heizwärme versorgt.
Im Sommer, wenn wenig Heizwärme benötigt wird, ist ein Gas-Blockheizkraftwerk wirtschaftlich nicht ausgelastet. Daraus resultierte die Überlegung, die Anlage zu erweitern und Fernwärme auch in Hemmingen anzubieten. Das war das Startsignal für die Holzheizzentrale in Hemmingen.

Uli Ramsaier (2.von links) in der derzeit leergeräumten Anlieferungshalle mit Besuchern

Mittlerweile versorgen 3 Wärmenetze mit einer Leitungslänge von ca 9 km neben dem bereits genannten Schwieberdinger Netz in Hemmingen rund 2.000 Wohnungen und Gewerbebetriebe, sowie die meisten kommunalen und kirchlichen Einrichtungen. Dazu sind die 3 Erzeuger Biogas-Heizkraftwerk Haldenhof, Holzheizzentrale mit einem Holzhackschnitzel-,  einem Holzpelletkessel und auch die Biogasanlage Huber in das Gesamtsystem eingebunden. Strom wird aus allen 3 Standorten in das öffentliche Netz eingespeist. Im derzeitigen Ausbauzustand der Anlage werden pro Jahr 15.000.000 kWh Strom und 20.000.000 kWh Wärme erzeugt. Dies entspricht dem jährlichen Strombedarf von 3.750 Vier-Personenhaushalten. Die Anlage ersetzt pro Jahr ca 2,2 Mio Liter Heizöl durch nachwachsende, regionale und CO2-neutrale Energie. Wir danken Uli Ramsaier, der trotz parallel laufender Bestückung  der Biogasanlage Haldenhof viel Zeit investiert hat, für die äußerst informative Führung und geduldige Beantwortung unserer Fragen.